Pirkershausen-Mausoleum, Wolfsberg (Kärnten)

Als Abschluss der kleinen Mausoleums-Serie ein neobarocker Grabbau, der im Gegensatz zu den beiden vorigen Beispielen nicht im dörflichen, sondern im kleinstädtischen Ambiente entstand. Die „Familien Pirker und Anton v. Pirkershausen“, deren Name in goldenen Lettern über dem Portal angebracht ist, gehörten zur großbürgerlichen Elite Wolfsberg, die enge Beziehungen nach Wien und Graz unterhielt. Mehrere Wolfsberger Familien ließen sich in den Jahren um 1900 von Wiener und Grazer Architekten prachtvolle Villen in Hanglage über dem Ort errichten, und meist auch gleich noch ein aufwändiges Grabdenkmal am örtlichen Friedhof. So ist das Pirkershausen-Mausoleum in seiner Umgebung deutlich weniger isoliert als die vorigen Beispiele. Man kann es zwar durchaus als den bedeutendsten Grabbau des Wolfsberger Friedhofs bezeichnen, aber das von Fellner & Helmer entworfene Grabmonument der Familie Heyrowsky (mit einer Skulpturengruppe Rudolf Weyrs) macht ihm diesen Rang ernsthaft streitig…

Unbestreitbar ist jedenfalls, dass die Familie Pirker bzw. später Anton von Pirkershausen zu den bedeutendsten der Stadt zählte. Der 1881 verstorbene Handelsmann und Realitätenbesitzer Wolfgang Pirker hatte bei seinem Tod das Amt des Wolfsberger Bürgermeisters inne. Seine Tochter und Erbin, Josefine Pirker, heiratete 1892 den k. u. k. Fregattenkapitän Franz Anton. Dieser hatte sich als junger Offizier unter Admiral Tegetthoff im Seegefecht bei Helgoland und in der Schlacht bei Lissa hervorgetan und legte eine beachtliche Karriere in der österreichisch-ungarischen Kriegsmarine hin. Bei seiner Pensionierung hatte er es bis zum k. u. k. Linienschiffkapitän und zu zahlreichen Auszeichnungen gebracht. Unmittelbar nach seiner Hochzeit mit Josefine Pirker wurde ihm vom Kaiser sogar das Adelsprädikat „von Pirkershausen“ verliehen.

Im Lauf der Jahre gab die Familie mehrere repräsentative Bauwerke in Auftrag. Anna Pirker – die Witwe Wolfgangs und Mutter Josefines – ließ etwa 1888 eine mehr als ansehnliche Villa in bester Hanglage über Wolfsberg errichten. Der Grazer Architekt Friedrich Sigmundt (1856–1917), der auch kurz im Atelier Otto Wagners in Wien gearbeitet hatte, entwarf den Bau im Stil der Neo-Renaissance. Acht Jahre später, 1896, ließ Josefine von demselben Architekten ein Stadtpalais in Graz planen, diesmal in neobarocken Formen.

Es erscheint vor diesem Hintergrund nicht abwegig, in Sigmundt auch den Entwerfer des Wolfsberger Mausoleums der Familie zu vermuten. In den neobarocken Details bestehen durchaus Ähnlichkeiten zum Grazer Stadtpalais, auch wenn die unterschiedliche Bauaufgabe einen direkten Vergleich erschwert. Ein sicherer Nachweis über den Architekten des Mausoleums scheint leider nicht vorhanden zu sein, und auch zur Bauzeit liegen keine konkreten Daten vor. In der Regel wird sie vage mit „um 1900“ angegeben. Möglicherweise gab erst der Tod des k. u. k. Linienschiffkapitäns Franz Anton von Pirkershausen selbst im Jahr 1906 den Anlass zur Errichtung des Grabbaus. Als seine Frau Josefine 1936 starb, heißt es jedenfalls in einem Nachruf, dass sie es war, die das Mausoleum „zur Ehrung ihrer Lieben schuf“ (Freie Stimmen, Do., 6. Aug. 1936, S. 3).

Der qualitätvolle Bau auf quadratischem Grundriss, wird von einer niedrigen, etwas gedrückt wirkenden Kuppel bekrönt. Am unteren Ansatz der Kuppel sind ovale Fensteröffnungen eingefügt, die ein wenig an die Wiener Karlskirche erinnern. Während die Seitenwände und die Rückwand des Mausoleums relativ schlicht und massiv gehalten sind, ist die Hauptfassade mit reichem bauplastischem Dekor versehen. Ein baldachinartiger Portikus steigert die Pracht dieser Schauseite noch zusätzlich.

An den Ecken dieses Portikus’ tragen geflügelte Karyatiden Dach und Gebälk und halten Blumenkränze in den emporgehobenen Händen. Diese dynamischen weiblichen Figuren passen zwar zur barocken Üppigkeit des Bauwerks, ihre nackten Oberkörper wirken im Rahmen des Friedhofs aber doch ein klein wenig befremdlich.

Züchtiger geben sich dagegen die Relieffiguren, die links und rechts vom Portal in flache Nischen eingepasst sind. Links erblickt man einen antikisierenden Genius mit zu Boden gesenkter, erlöschender Fackel: ein aus der Antike entlehntes Trauermotiv, das im Klassizismus der Zeit um 1800 wieder aufgegriffen wurde und sich in der Folge großer Beliebtheit als Grabschmuck erfreute. Rechts hingegen ist ein Engel mit Posaune in den Händen dargestellt, wie bereit, um mit dem Instrument die Toten zur Auferstehung und zum Jüngsten Gericht zu rufen.

In formaler Hinsicht sind diese beiden Figuren klar als Pendants gestaltet, die einander in ihrer ganzen Haltung ähneln. Inhaltliche hingegen bilden sie ein Gegensatzpaar, das heidnisch-antike und christliche Tradition kontrastierend gegenüberstellt. Dass die eine Figur zu Boden blickt, die andere jedoch die Augen zum Himmel erhoben hat, legt aber doch nahe, dass sie nicht als gleichwertige Optionen zu werten sind. Vielleicht soll auch der Genius die diesseitige Trauer (der Angehörigen) symbolisieren, der Engel hingegen die Hoffnung auf Erlösung und ewiges Leben im Jenseits…

Anders als bei den Mausoleen, die in den vorigen Beiträgen besprochen wurden, gibt es hier also ein figürliches Skulpturenprogramm, das der Architektur inhaltliche Bedeutung verleiht. Auch im nicht zugänglichen Inneren des Bauwerks gibt es übrigens Skulpturenschmuck, nämlich eine Pietà sowie Büsten prominenter Familienmitglieder. Sie stammen vom Klagenfurter Bildhauer Josef Kassin.

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