Freißler-Mausoleum, St. Lorenzen bei Knittelfeld (Steiermark)

Im zweiten Teil der Mausoleums-Serie geht es heute ins steirische Murtal, genauer gesagt auf den Friedhof von St. Lorenzen bei Knittelfeld, wo sich die Grabkapelle der Familie Freißler erhebt. Sie wurde vom Großgrundbesitzer und Gemeindevorsteher Josef Freißler und seiner Frau Marie in Auftrag gegeben. Gleichzeitig stifteten die beiden auch das monumentale Friedhofskreuz. Ende Oktober 1902 – also gerade rechtzeitig für Allerheiligen – wurden sowohl das Kreuz als auch das Mausoleum feierlich eingeweiht. Letzteres wirkt er auf dem kleinen Ortsfriedhof allerdings ein wenig verloren, fast wie ein Fremdkörper. In eine der hinteren Ecken platziert und hart von der Umfassungsmauer bedrängt, hat es nur wenig Raum, um seine Wirkung voll zu entfalten. Aus der Nähe betrachtet, entpuppt es sich aber als ein echtes Schmuckstück…

Das Freißler-Mausoleum wurde in neugotischer Formensprache erbaut. Die Gotik galt im Historismus des 19. und frühen 20. Jahrhunderts als ein besonders christlicher Baustil und wurde daher gerne für Kirchen oder eben für Grabbauten verwendet. Entsprechend groß ist die Zahl neugotischer Mausoleen, die damals errichtet wurden. Jenes der Familie Freißler ist, wie ich finde, ein besonders schönes Exemplar…

Auf den ersten Blick wirkt es wie eine einfache Kapelle auf längsrechteckigem Grundriss mit Giebelfassade an der Vorder- und polygonal gebrochener Apsis an der Rückseite. Tatsächlich ist die Konstruktion aber komplexer, denn es gibt an den Seiten flache Anbauten. So erhält der Grundriss die Gestalt eines griechischen Kreuzes (mit Apsis). Die seitlichen Anbauten haben zudem eigene, deutlich akzentuierte Dächer, die auch in der Frontansicht sichtbar sind, sodass im Zusammenspiel mit Wasserspeiern, Dachknäufen und Fialen eine reich gegliederte Dachlandschaft entsteht.

Der untere Teil des Mausoleums ist massiv gemauert und weitgehend schmucklos. Ornamentale Verzierungen findet man hier nur in den Eisengittern des Portals und in den Buntglasscheiben der Seitenfenster. Ganz anders die Dachzone, die durch ein durchlaufendes Gesims vom Unterbau abgegrenzt ist: Hier herrscht ornamentaler Überschwang, hier ist alles mit dekorativer Bauskulptur überzogen.

So ist über dem Portal ein spitzbogiges Relieffeld angebracht, in dem zwei Inschriftenbänder den Namen der Besitzerfamilie präsentieren. Den Hintergrund aber bildet ein üppig blühender Rosenstock, der in stark plastischem Relief herausgearbeitet ist.

Über diesem Feld bildet ein von Fialen flankierter Wimperg den oberen Abschluss der Hauptfassade. Seine äußeren Ränder sind jedoch nicht wie üblich mit blattförmigen Krabben besetzt, sondern ebenfalls mit aufgeblühten Rosen aus Stein.

Rosenblüten und ähnliche vegetabile Zierelemente sprießen auch an anderen Teilen des Mausoleums. Man findet sie etwa als Reliefs an den Seitenfassaden, aber auch in den Buntglasscheiben der Fenster. Ja selbst im Ziergitter des Portals wird dieses Motiv aufgegriffen.

Man fragt sich hier unweigerlich, ob das Auftraggeberpaar einfach eine Vorliebe für Rosen hatte – oder ob sich hinter deren auffälliger Häufung vielleicht doch eine symbolische Aussage verbirgt. Denn der Rose wurden (und werden) ja traditionell verschiedenste Bedeutungen zugeschrieben: Im Christentum etwa ist sie ein wichtiges Mariensymbol (man denke nur an den Rosenkranz), im Begräbniskontext gilt sie auch als Zeichen der über den Tod hinausgehenden Liebe.

Was auch immer der Grund für die vielen Rosen sein mag: Sie tragen ganz wesentlich zum reichen Erscheinungsbild des Grabbaus bei und machen das Freißler-Mausoleum zu einem der bemerkenswertesten seiner Art.

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