Kreuzwegstationen, Gaming (Niederösterreich)

Zum Karfreitag wieder einmal ein thematisch passender Beitrag: einer der vielen Kreuzwege, die man in Österreich landauf, landab antrifft… Das Konzept, die Leidensstationen Jesu auf dem Weg von Jerusalem zur Hinrichtungsstätte auf Golgotha anhand von Bildstöcken gleichsam nachzustellen, wurde gegen Ende des Mittelalters entwickelt. Hierzulande fand diese immersive Andachtsform dann vor allem im Zuge der Gegenreformation im 17. und 18. Jahrhundert weite Verbreitung.

Üblicherweise liegen solche Kreuzwege am Ortsrand und meist führen sie einem Hang hinauf, um den Anstieg nach Golgotha nacherlebbar zu machen. Das Beispiel aus Gaming, am Fuße des Ötschers, bildet da keine Ausnahme: Der Kreuzweg wurde im zweiten Viertel des 18. Jahrhunderts an einem steil ansteigenden Hügel direkt gegenüber der berühmten Kartause angelegt. Seinen Abschluss findet er wie üblich in einer Kalvarienbergkapelle mit Kreuzigungsgruppe. Diese Kapelle stammt auch wirklich noch aus der Barockzeit, die Kreuzwegstationen sind hingegen weitgehend Rekonstruktionen aus den 1980er-Jahren. An Details wie dem verwendeten Putz sieht man ihnen das auch durchaus an, nicht aber im Gesamteindruck: Sie sind so einfach gestaltet, dass sie zeitlosen Charakter haben.

Die einzelnen Stationsbildstöcke bilden im Grunde breite Pfeiler, die von einem Pultdach aus Holzschindeln bedeckt sind. Nach vorne öffnen sie sich in breiten Nischen mit flach-rundbogigem Abschluss. Das Innere der Nischen ist gestaffelt: Knapp über dem Boden befindet sich eine Art Treppenabsatz, dann folgt ein angedeuteter, flacher Altartisch, dahinter bzw. darüber an der Wand schließlich ein Gemälde mit der jeweiligen Szene aus der Passionsgeschichte. Durch diese Anordnung entsteht so etwas wie eine Betbank, die es den Gläubigen erlaubt, vor den Bildern zur Andacht hinzuknien.

So weit, so unspektakulär. Was ich am Gaminger Kreuzweg aber faszinierend finde, ist die Art, wie er sich in die umgebende Landschaft fügt. Zwar nicht alle, aber doch die meisten Kreuzwege wurden nämlich in freiem Gelände oder zumindest an halbwegs breiten, gut gangbaren Wegen angelegt. In Gaming jedoch hat man ihn in relativ unwegsamem Gelände mitten in den Wald gepfropft. Nur ein schmaler, steiler, streckenweise steiniger Pfad führt an ihm entlang, und man ist beinahe überrascht, wenn wieder einer der Bildstöcke plötzlich zwischen den Bäumen hervorleuchtet.

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