Ehm. Mühle, Salmhof bei Marchegg (Niederösterreich)

Rund zwei Kilometer westlich von Marchegg liegt an der Landstraße ein ausgedehnter Gutshof, der unter dem Namen Salmhof bekannt ist. Als sein Erbauer gilt traditionell nämlich Graf Niklas von Salm d. Ä. (1459–1530) – der Verteidiger Wiens bei der Ersten Türkenbelagerung – der ab 1502 die Herrschaft über Marchegg innehatte. Der Bezug zu dieser berühmten historischen Persönlichkeit dürfte allerdings nur auf Wunschdenken beruhen: Die erhaltenen Schriftquellen legen nahe, dass der Hof erst um 1547 von seinem Sohn, Niklas von Salm d. J. (1522–1550), angelegt wurde.

So oder so sind heute nur noch wenige Bauteile aus dem 16. Jahrhundert vorhanden, denn im Lauf der Jahrhunderte kam es immer wieder zu Zerstörungen, Umbauten und Erweiterungen. Zu den ältesten noch bestehenden Teilen der Anlage zählt die imposante Mühle an der Nordostecke des Geländes. Vor allem im Sockelbereich des Westtrakts geht ihr Mauerwerk an einigen Stellen tatsächlich noch auf das mittlere 16. Jahrhundert zurück. In den ersten Jahren des Dreißigjährigen Krieges, um 1620, dürfte die Mühle allerdings zerstört oder wenigstens schwer beschädigt worden sein. 1629 wurde sie dann unter Wiederverwendung der bestehenden Mauerreste neu errichtet, und zwar ungefähr dreimal so groß wie der ursprüngliche Bau. Damals befand sich der Gutshof bereits im Besitz der bedeutenden Grafenfamilie Pálffy. Unter ihrer Ägide kam es Ende des 17. Jahrhunderts noch einmal zu einer Erweiterung der Mühle, bei der sie im Wesentlichen ihre heutige Gestalt erhielt. Aus dieser Zeit stammt auch die auffällige Arkadenstiege an der Westseite, die dem Wirtschaftsbau ein repräsentatives Aussehen verleiht.

Die Mühle besteht aus zwei weitgehend identischen, langgestreckten Trakten mit Krüppelwalmdach, die parallel zueinander stehen. In der Mitte sind sie durch einen schmalen Querbau verbunden, an der südlichen Stirnseite zusätzlich durch einen Schwibbogen stabilisiert.

Der Querbau ruht auf einer Art Brückenkonstruktion, denn zwischen den beiden Längstrakten verläuft der ehemalige Mühlbach. Hier waren einst die Mühlräder installiert. Für 1629 sind bereits sieben Mühlgänge ausgewiesen, nach der Erweiterung des späten 17. Jahrhunderts stieg ihre Zahl auf zehn. Eine sehr beachtliche, leistungsstarke Anlage also. Um so viele Mühlräder auf einmal betreiben zu können, bedurfte es wohl einer aufwändigen hölzernen Hilfskonstruktion. Die noch aus den Wänden über dem Mühlbach herausragenden Steinkonsolen trugen vermutlich die dazugehörigen Balken.

Wie lange die Mühle in dieser Form bestand, ist unklar. Eine Beschreibung von 1835 erwähnt jedenfalls nur noch vier Mühlgänge. Im weiteren Verlauf des 19. Jahrhunderts wurde der Betrieb dann ganz eingestellt; um 1880 kam es schließlich zur Umwandlung der Mühle in eine Spiritusfabrik, die mit Unterbrechungen bis weit ins 20. Jahrhundert hinein bestand. Dazu wurden an den beiden südlichen Ecken des Gebäudes hohe, gemauerte Schornsteine hinzugefügt, von denen einer immerhin noch bis 2012 bestand. Er wurde erst im Zuge der jüngsten Instandsetzungsmaßnahmen abgebrochen. Ich bin mir ehrlich gesagt nicht ganz sicher, ob ich diese Maßnahme für gut befinden soll. Denn mit der Entfernung des Fabrikschornsteins ging auch ein Teil der langen Geschichte des Bauwerks verloren. So zeugt von der Spiritusbrennerei heute nur mehr der Abdruck eines ebenfalls abgerissenen Zubaus an der südlichen Stirnwand des Westtrakts.

Dieser Beitrag wurde unter Niederösterreich abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.