Geschäftsfassade, Marchegg (Niederösterreich)

Wieder einmal eine alte Geschäftsfassade, dem Anschein nach aus der Nachkriegszeit. Über Tür und Auslagenfenster prangt als leicht ansteigender Schriftzug das Wort Fleischerei, in einer kursiven Schreibschrift, wie sie vor allem in den 1950er- und 1960er-Jahren gerne in solchem Kontext verwendet wurde. Rechts darunter steht kleiner und in Blockbuchstaben der Name der Besitzerfamilie.

Wie bei Fleischereien traditionell üblich, ist die Geschäftsfront mit Fliesen verkleidet. Die Gestaltung des Ganzen ist geradlinig, grafisch, klar. Kleine, quadratische weiße Fliesen bedecken die Wandfläche. Ein Band dünklerer, brauner Fliesen rahmt die eigentliche Geschäftsfront und grenzt sie vom Rest der glatt verputzten Hausfassade ab. Dieselben braunen Fliesen bekleiden die Sockelzone, und auch die Gewände von Fenster und Tür sind mit ihnen ausgelegt. Letzteres fällt allerdings in der Frontalansicht kaum auf, da man hier nur die Schmalseiten der Fliesen als feines dunkles Band wahrnimmt. Nähert man sich dem Geschäft hingegen von der Seite, treten sie deutlich hervor.

In der Schrägansicht wird auch erst recht sichtbar, dass sowohl die Sockelzone als auch der äußere Rahmen ein klein wenig aus der Wandfläche hervorragen. Die zunächst so grafisch wirkende Geschäftsfront zeichnet sich also durchaus durch eine subtile Dreidimensionalität aus. Ihr Erscheinungsbild changiert, je nachdem, aus welchem Winkel man sie betrachtet.

Einen besonders interessanten 3D-Effekt entdeckt man schließlich, wenn man die Rahmung genauer ins Auge fasst: An die Reihe brauner Fliesen schließt hier nämlich, als äußerster Abschluss, eine Art Wulst in derselben Farbe an. Dieser ist mit einem Zickzack-Muster versehen, in dem noch die expressive Formensprache der Zwischenkriegszeit nachzuklingen scheint.

Alles in allem also ein sehr schönes Beispiel für diese Art der Fassadengestaltung in der Nachkriegszeit. Und wieder einmal eines, bei dem man sich besorgt fragt, wie lange es wohl noch erhalten bleibt. Denn die Fleischerei scheint schon seit einiger Zeit geschlossen zu sein; wie so viele kleine Fachgeschäfte im Ortskern wurde sie wohl von den heute üblichen Supermärkten und Einkaufszentren am Ortsrand verdrängt.

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