Ehm. Kino, Kleinwarasdorf (Burgenland)

Es gibt Bauwerke, denen man auf den ersten Blick ihre frühere Funktion ansieht, auch wenn sie lange schon leer stehen und längst keine Beschriftung mehr aufweisen. Ein solches Bauwerk ist das ehemalige Kino von Kleinwarasdorf. Die Straßenfassade bildet quasi eine idealtypische, jedoch auf einfachste Grundformen kondensierte Art Déco-Kinofront. Die schnörkellose weiße Fassade hat einen geraden, einfach getreppten oberen Abschluss; die Fenster sind vergleichsweise klein, dafür ist der zentral platzierte Eingang mit seinen beiden Doppelflügeltüren umso großzügiger dimensioniert. Er ist tief in die Wand eingeschnitten und mit einem gerundeten Vordach versehen. Mit äußerst bescheidenen Mitteln macht diese Fassade doch etwas her – zumindest in ihrer eher abgelegenen ländlichen Umgebung: Heute befindet sich das Gebäude am Ortsrand, zur Zeit seiner Entstehung dürfte es aber noch ganz im freien Feld gestanden haben.

Ganz anders als von vorne präsentiert sich das Kino in der Seitenansicht; hier wirkt es im Grunde wie ein großer Stadel, und man könnte es ohne weiteres für ein landwirtschaftlich genutztes Gebäude halten. Deutlich wird hier auch, dass die dezidiert modern gestaltete Straßenfassade nicht organisch mit dem großen Kinosaal verbunden, sondern diesem als eigenständiger Baukörper vorgeblendet ist. Insgesamt erhält man so einen ganz guten Eindruck davon, wie so ein Dorfkino früherszeiten aussah…

Was heißt nun ‚früherszeiten‘ genau? Intuitiv hätte ich die Fassade ja in die 1930er-Jahre datiert, laut den wenigen Informationen, die ich zum ehemaligen Kino von Kleinwarasdorf finden konnte, wurde es allerdings erst 1949 eröffnet. Es ist natürlich nicht gänzlich auszuschließen, dass sich diese Jahresangabe auf die Wiederaufnahme eines älteren, durch den Krieg unterbrochenen Betriebs bezieht. Andererseits habe ich erst im vorigen Beitrag darauf hingewiesen, dass moderne Architekturformen am ‚flachen Land‘ oft mit einiger Verspätung ankamen. Eine Entstehung des Baus in den ersten Jahren der Nachkriegszeit ist somit durchaus plausibel. Dennoch will ich diesen Beitrag wieder einmal mit der Bitte beenden: Falls jemand Genaueres weiß, würde ich mich über entsprechende Hinweise freuen.

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