Bürgerhaus, Wolfsberg (Kärnten)

Wieder einmal ein Bürgerhaus in einer historischen Kleinstadt, diesmal im kärntnerischen Wolfsberg. Im Erdgeschoß dominieren rezente Lokal- und Geschäftsfronten, im Obergeschoß repräsentative Fensterrahmungen aus der Zeit des Historismus; sie wurden im dritten Viertel des 19. Jahrhunderts in Neo-Renaissance-Formen ausgeführt. Verschiedene Elemente machen aber auch in der Straßenansicht deutlich, dass sich hinter dieser Fassade ein weit älterer Bau verbirgt: Die unregelmäßigen Fensterachsen, das rundbogige Portal oder der schmale Erker lassen auf eine Entstehung in der Frühen Neuzeit schließen. Und tatsächlich stammt die Bausubstanz des Bürgerhauses noch großteils aus dem 16. Jahrhundert.

Die Bauzeit lässt sich noch weiter präzisieren, wenn man das Portal genauer betrachtet. Dieses stammt nämlich noch als Ganzes aus der Renaissance und trägt in römischen Ziffern die Jahreszahl 1558. Diese Datumsangabe wird auch noch in einem über dem Tor angebrachten Wappenstein wiederholt. Dieser enthält zudem Namen und Wappen des Erbauers und seiner Frau: Lorenz Schnepf [man beachte das sprechende Wappen mit der Darstellung einer Schnepfe] und Felicitas Schemlin.

Schnepf war Vizedom, also quasi der Statthalter, des Bischofs von Bamberg, d. h. er war für die Verwaltung der umfangreichen bambergischen Besitzungen in Kärnten zuständig und damit eine der bedeutendsten Persönlichkeiten seiner Zeit in Wolfsberg. Das schöne Renaissanceportal und der Wappenstein zeugen bis heute von seinem gehobenen Repräsentationsanspruch – auch, weil bei der Veränderung der Fassade im 19. Jahrhundert offensichtlich bewusst Rücksicht darauf genommen wurde, diese Bauteile im Original sichtbar zu lassen. So wurde das eigentlich auf Höhe des Wappensteins neu angebrachte Gesims zwischen Erd- und Obergeschoß an dieser Stelle eigens unterbrochen, flache Baluster und andere Zierformen fassen den Gedenkstein rundherum ein, sodass Wappen und Inschrift regelrecht wie in einem Bilderrahmen präsentiert werden. Es scheint, dass es den damaligen Besitzern zwar wichtig war, die Fassade den aktuellen Architekturtrends anzupassen, dass sie gleichzeitig aber das ehrwürdige Alter und die Geschichte des Gebäudes erkennbar lassen, wenn nicht gar zur Schau stellen wollten.

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