Bergfried, Araburg (Niederösterreich)

Auf einem Waldrücken über dem Triestingtal gelegen, ist die Araburg ein beliebtes Ausflugsziel und wird wohl auch manchen meiner Leserinnen und Leser bekannt sein. Die Baugeschichte ist in groben Zügen mit jener zahlreicher anderer Burgruinen identisch: Ursprünglich entstand die Anlage im Hochmittelalter; im konkreten Fall wurde sie wohl im späten 12. Jahrhundert von den Herren von Araberg errichtet, auch wenn sie erst 1209 erstmals urkundlich erwähnt wird. Bis in die Frühe Neuzeit hinein wurde die Burg dann mehrmals erweitert, um 1600 aber weitgehend aufgegeben, dann in den Türkenkriegen beschädigt und in der Folge endgültig dem Verfall preisgegeben, bis sie endlich im 20. Jahrhundert als Kulturdenkmal und Wanderziel entdeckt und baulich gesichert wurde…

Den ältesten Teil der Anlage bildet die Hochburg mit dem alten Palas und dem 27 Metern hohen Bergfried. Letzterer ragt – wie auf dem obersten Foto gut zu erkennen ist – im Westen an der höchstgelegenen Stelle der Burg auf. Während nämlich an den anderen Seiten das felsige Gelände steil abfällt und so einen Angriff erschwerte, bestand an der Westseite die Möglichkeit, die Burg von der darüber gelegenen Kuppe, also von oben her zu attackieren. Dies war also die „Hauptangriffsseite“ und wurde daher durch den mächtigen Bergfried besonders geschützt. Wohl noch im 12. oder im frühen 13. Jahrhundert auf rundem Grundriss errichtet verfügt der Turm über beinahe zwei Meter dicke Mauern. Damit nicht genug, wurde er im 15. Jahrhundert noch weiter gegen die Angriffsseite verstärkt; genauer gesagt, erhielt er einen auffälligen keilförmigen Anbau. Diese im Mittelalter auch an anderen Wehranlagen anzutreffende Gestaltungsweise wird oft als „Schnabelturm“ bezeichnet. Durch die spitz zulaufende Form bot ein solcher Mauerkeil feindlichen Geschossen weniger Aufprallfläche bzw. war er gegenüber Treffern widerstandsfähiger als ein konventioneller Rundturm.

Im ‚Profil‘ betrachtet, wirkt der Bergfried der Araburg durch diesen Anbau ein wenig unbeholfen und kurios; wenn man direkt vor der spitz zulaufenden Mauerkante steht, ist die Wirkung hingegen eine ausgesprochen beeindruckende – man fühlt sich fast ein wenig an die expressionistische Architektur der 1920er-Jahre erinnert, etwa an Fritz Högers Chilehaus in Hamburg… Vielleicht noch beeindruckender ist allerdings der weite Landschaftsausblick, der sich oben vom Bergfried aus bietet. Schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts nämlich wurde seine ursprüngliche Zinnenbekrönung durch eine überdachte Aussichtsplattform ersetzt. Ein Besuch der Araburg lohnt sich daher definitiv nicht nur aus architekturhistorischem Interesse…

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