Gasthof Goldener Adler, Innsbruck (Tirol)

Noch ein historischer Gasthof, aber diesmal ein richtig alter: Der Goldene Adler im Herzen von Innsbruck geht auf das Jahr 1390 zurück und wurde seither durchgehend als Einkehrgasthof an der wichtigen Brennerroute von Deutschland nach Italien genutzt. Im Laufe der Jahrhunderte haben hier viele prominente Reisende übernachtet, darunter Goethe und Mozart, Sartre und Camus, um nur einige zu nennen. (Und ich vermute, dass gerade irgendeine steirische Politprominenz dort zu Gast war, als ich das obige Foto aufgenommen habe – üblicherweise hängt an der Fassade nämlich nur die Tiroler und nicht auch die steirische Fahne…)

Das bestehende Gebäude stammt im Wesentlichen wohl aus der Mitte des 15. Jahrhunderts. Auffällig sind vor allem die bald danach angebrachten spätgotischen Malereien an der Fassade. Im Erdgeschoß umgeben große, Grau in Grau gemalte Quader die Bogenöffnungen der Lauben. Darüber schließt eine einfache Fugenmalerei mit roten Linien auf weißem Grund an. Die Gebäudeecken hingegen sind durch bunte, ebenfalls gemalte Eckquader betont.

Im ersten und zweiten Stock kommt noch reiche Scheinarchitektur rund um die Fenster dazu. Aufwändige Maßwerkrahmen und -bekrönungen, die sich in vegetabile Formen auflösen, ranken sich hier um die Wandöffnungen. Dazwischen sind immer wieder auch Figuren von Menschen und Tieren eingestreut. Diese Hauptzone der Bemalung wird oben durch ein gemaltes Maßwerkband begrenzt, darüber setzt sich nur noch die einfache Fugenmalerei fort.

So prachtvoll diese Dekoration ist, so hat sie doch einen kleinen Schönheitsfehler. Die mittelalterliche Bemalung wurde nämlich erst 1957 unter jüngeren Putzschichten wiederentdeckt und 1964 schließlich ganz freigelegt. Dabei wurde der vorgefundene Bestand auch „restauriert“ – allerdings nicht unbedingt nach wissenschaftlichen Kriterien, sondern zum Teil sehr frei rekonstruierend und ergänzend. Vor allem den Figuren sieht man an, dass sie aus dem mittleren 20. Jahrhundert stammen und nicht vom Ende des Mittelalters.

Dennoch, solange man nicht zu genau hinschaut, vermittelt der Goldene Adler einen im Großen und Ganzen guten Eindruck davon, was zur Zeit der Spätgotik in der gehobeneren Fassadendekoration Mode war.

Dieser Beitrag wurde unter Tirol abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.