Gasthaus zum Adler, Lochau (Vorarlberg)

Meistens gebe ich im Titel meiner Blog-Posts ja den ursprünglichen Namen des behandelten Gebäudes an, aber heute will ich einmal eine Ausnahme machen. Denn obwohl der Gasthof zum Adler in Lochau gar nicht als solcher errichtet wurde, hat das Gebäude diese Funktion immerhin seit 212 Jahren inne. Da kann man schon leicht einmal darüber hinwegsehen, dass der stattliche Bau vor 232 Jahren zu ganz anderen Zwecken errichtet wurde, nämlich als Sitz des Landgerichts Hofrieden. Als Amtsgebäude diente er allerdings gerade einmal zwanzig Jahre. Denn als Vorarlberg nach der Schlacht bei Austerlitz und dem darauffolgenden Frieden von Preßburg im Dezember 1805 an die Bayern fiel, reformierten diese mehr oder weniger unverzüglich die Verwaltung des Landes. Dabei wurde auch das Gericht Hofrieden aufgelassen und dem Landgericht Bregenz zugeschlagen. Das nun nicht mehr benötigte Gebäude in Lochau wurde unmittelbar darauf seiner bis heute bestehenden Nutzung als Gasthaus und Bierbrauerei zugeführt: 1806 erhielt hier ein gewisser Xaver Meister die Braukonzession.

Das frei an der Durchzugsstraße stehende zweigeschoßiges Gebäude wurde 1786 erbaut. Kellersockel, Fensterrahmungen und die markanten Eckpilaster sind in Grau hervorgehoben. Die Fenster bilden, bei geöffneten Läden, ein durchgehendes Band und betonen so die Horizontale. Ansonsten weist die Fassade keinerlei Verzierungen auf, und nur das leicht geschwungene Mansarddach lockert die klassizistische Strenge ein wenig auf.

Eine etwas stärkere Durchgliederung weist jedoch die Rückseite auf: Im Bereich der drei mittleren Fensterachsen ist hier das Obergeschoß zurückversetzt, sodass über dem Erdgeschoß eine Altane entsteht. Diese wird von einem schönen Schmiedeeisengitter abgeschlossen. Diese Schauseite wirkt fast wie die freundliche Gartenfassade eines Barockschlösschens. Ein Blick auf historische Landkarten zeigt aber, dass mindestens seit dem frühen 19. Jahrhundert knapp hinter dem Gebäude eine Straße vorbeilief, für einen Garten oder Park also kein Platz (mehr) war. Aber wenn man sich die Ausrichtung der Altane nach Westen und die Hanglage am Fuß des Pfänders vor Augen hält, dann darf man wohl davon ausgehen, dass man von hier aus – zumindest bis zur modernen Verbauung des Seeufers – einen herrlichen Ausblick auf den nahen Bodensee genießen konnte.

Dieser Beitrag wurde unter Vorarlberg abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.