Wohnhaus, Eferding (Oberösterreich)

Vom Gegenstand des vorigen Beitrags zu dem des heutigen sind es nur wenige Schritte. Genau genommen kann man auch gleich am selben Fleck stehenbleiben und beide mit einem Blick erfassen, denn es handelt sich um Nachbarhäuser. Wie das spätgotische Bürgerhaus auf der Nr. 6 nimmt auch die Nr. 5 eine gewisse Sonderstellung innerhalb des Bauensembles am Eferdinger Stadtplatz ein. Sie hat nämlich als einziges eine Jugendstilfassade.

So wie es sich heute präsentiert, entstand das Gebäude im Jahr 1907. Die Rauchfangkehrerfamilie Emmerstorfer, die hier schon seit 1806 ansässig war, ließ damals zwei ältere Häuser zusammenlegen und mit einer einheitlichen Fassade verbinden. Im Inneren gibt es zum Teil noch Mauerteile aus dem 16. oder 17. Jahrhundert, die von den Vorgängerbauten herrühren. Die Fassade wurde jedoch komplett in den modernen Formen des Jugendstils neu errichtet. Das links angebrachte Portal und die darüberliegende Fensterachse des Obergeschoßes sind durch Pilaster gerahmt, die an dieser Stelle eine starke Betonung der Vertikale erzeugen. Oben durch einen flachen Rundgiebel verbunden, durchbrechen die Pilaster sogar die Dachtraufe.

Im rechten Teil der Fassade dagegen dominiert flacher plastischer Dekor rund um die Fenster. Am auffälligsten sind dabei die hufeisenförmigen Bögen im Obergeschoß, ein weit verbreitetes Jugendstilmotiv, das im konkreten Fall eine gewisse Tendenz in die Breite entwickelt.

Entworfen wurde all das durch den Linzer Baumeister Franz Weiß. 1864 geboren, war er eigentlich noch ein Vertreter des Späthistorismus. Bauten von ihm sind vor allem in Linz selbst und vor allem aus den 1890er Jahren bekannt. Die meisten von ihnen sind im Stil der Neo-Renaissance und des Neo-Rokoko gehalten. Bei dem Haus in Eferding zeigt sich jedoch, dass Weiß – wie viele Architekten seiner Generation – in den Jahren nach 1900 auch die damals aktuelle Formensprache des Jugendstils in sein Repertoire aufgenommen hatte. Und auch wenn die Hausfront im Grunde eher einfach und nur mäßig originell gestaltet ist – als einzige Jugendstilfassade am Platz macht sie durchaus etwas her.

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