Stallungen, Trabrennbahn Krieau, Wien II

Beim letzten Mal ging es hier um den ersten reinen Stahlskelettbau Wiens: den 1919 errichteten Zielrichterturm der Trabrennbahn in der Krieau. Wie modern diese von der Architektengruppe Hoppe, Kammerer und Schönthal geplante Konstruktion damals war, vermag ein Blick auf die gleich danebengelegenen Stallungen zu zeigen. Diese entstanden nur rund zwanzig Jahre früher, zu einem nicht näher bekannten Zeitpunkt in den 1890ern. Es handelt sich um eine Serie von Holzriegelbauten, deren lange Fassaden in regelmäßigen Abständen durch Giebel aufgelockert werden. Entworfen wurden sie von den Brüdern Anton und Josef Drexler. Diese hatten bereits 1885 den Neubau der Galopprennbahn in der Freudenau geplant und in der Folge noch weitere Pferderennanlagen und Gestüte entworfen. Sie waren also gewissermaßen Experten für diese Bauaufgabe.

Nun waren Pferderennen zur damaligen Zeit in erster Linie ein städtisches Phänomen, aus Platzgründen lagen die Rennbahnen aber am Stadtrand und waren meist von Parklandschaften umgeben. Die Brüder Drexler wählten für die dazugehörigen Bauten daher bevorzugt die Holzriegel- bzw. Fachwerkbauweise, um den Anlagen einen ‚ländlichen‘ Anstrich zu verleihen.

In der Krieau sind vor allem die Giebel in dieser Art ausgeführt. Auffällig ist dabei der große Variantenreichtum der Detailformen: An manchen der Giebel dominieren vertikale Ständer, an anderen bilden diese mit horizontalen Schwellen rasterförmige Ornamente, an wieder anderen werden sie mit schrägen Streben oder mit verschiedenen Bogenformen kombiniert. Auch wenn ich nicht alle Giebel einzeln überprüft habe, so habe ich doch fast den Verdacht, dass jeder davon individuell gestaltet ist und sich keines der Fachwerkmuster wiederholt. Man hat das Gefühl, die Architekten wollten hier alle Kombinationsmöglichkeiten dieser Technik durchspielen. Da die Gebäude an sich jedoch aus ‚Modulen‘ von gleicher Form und Größe bestehen, herrscht trotz dieser Vielfalt in der Giebelgestaltung insgesamt ein einheitlicher Eindruck vor.

Ein kleiner Fun Fact noch zum Schluss: Als 1910 der Wettbewerb für den Neubau der Tribünen in der Krieau ausgeschrieben wurde, beteiligten sich die Brüder Drexler ebenfalls. Ihr Projekt mit dem schönen Titel ‚Vollblut‘ kam jedoch– hinter jenem von Hoppe, Kammerer und Schönthal – nur auf den zweiten Platz.

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