Batthyány-Gruft, Güssing (Burgenland)

Die Batthyány-Gruft in bzw. unter der Güssinger Franziskanerkirche gilt als die – nach der Wiener Kapuzinergruft – zweitgrößte private Gruft Österreichs. Das alte ungarische Adelsgeschlecht der Batthyány bekam 1524 Burg und Herrschaft Güssing verliehen und war in den nachfolgenden Jahrhunderten neben den Eszterházy die politisch und kulturell bedeutendste Familie im Gebiet des heutigen Burgenlandes.

1648 stiftete Graf Adam Batthyány das Güssinger Franziskanerkloster und ließ bei dieser Gelegenheit auch gleich eine Familiengruft unter der Klosterkirche anlegen. Bis ins 19. Jahrhundert hinein war die unterirdische Begräbnisstätte nur über Leitern durch ein Loch im Kirchenfußboden zugänglich. Ein schwerer steinerner Deckel verschloss die Öffnung und musste bei Bedarf mühsam angehoben werden. Erst als Fürst Philipp und Graf Johann Nepomuk Batthyány die Gruft 1830 renovieren und erweitern ließen, wurde ein neuer bequemerer Zugang geschaffen: An der Außenwand der Kirche wurde ein kleiner, aber doch repräsentativer Portalvorbau angelegt, von dem aus eine Treppe mit 24 Stufen in die Tiefe führt.

Wie für die Zeit des Biedermeier typisch, ist der Portalvorbau in klassizistischem Stil gestaltet und mit seinem flachen Giebeldach lose an antike Tempelarchitektur angelehnt. Das eigentliche Portal ist durch eine pylonenformige Rahmung hervorgehoben und gemahnt damit mehr an die Architektur des Alten Ägypten. Am Türsturz erinnert eine vierzeilige lateinische Inschrift an die Anlage und die Erneuerung der Gruft: Sie nennt die Namen der jeweiligen Bauherren und – in Form von Chronogrammen – die Jahreszahlen 1648 und 1830.

Darüber ziert, zwischen zwei reliefierten Wappenschilden, eine vollplastische Figurengruppe die Fassade. In der Mitte erblickt man eine Urne, die von einer Schlange umschlungen wird. Sie ist vermutlich als Symbol der Ewigkeit zu deuten. Links davon sitzt auf einem Sockel ein geflügelter Genius mit zum Boden gesenkter, verlöschender Fackel in der Hand – eine der antiken Tradition entstammende Symbolfigur von Trauer und Tod. Rechts hingegen eine weibliche Figur mit Kranz und Kreuz in Händen sowie mit strahlenbekröntem Haupt – wohl die Personifikation des christlichen Glaubens, die hier Erlösungshoffnung und Glauben an das Ewige Leben versinnbildlicht. Gemeinsam ist diesen Motiven und Figuren, dass man sie in jener Zeit auch auf als Grabschmuck findet. Ähnliche Skulpturen sind etwa noch am St. Marxer Friedhof in Wien erhalten. Für die zeitgenössischen Betrachterinnen und Betrachter boten sie also einen eindeutigen Hinweis, wozu der kleine Anbau an der Güssinger Franziskanerirche diente.

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Kitting, Gerersdorf bei Güssing (Burgenland)

Jetzt, wo allmählich der Herbst ins Land zieht, ist vielleicht eine gute Zeit, ein Gebäude vorzustellen, das ursprünglich dazu diente, Lebensmittelvorräte aufzubewahren. Die sogenannten Kittinge sind für das Südburgenland typische Speicherbauten, die meist freistehend neben den Bauernhäusern angelegt wurden. Das vermutlich am besten erhaltene Beispiel eines solchen Bauwerks findet man heute im Freilichtmuseum Ensemble Gerersdorf bei Güssing. Ursprünglich stand es in Unterschützen (Bezirk Oberwart), wo sich noch eine Reihe weiterer Exemplare aus dem 18. Jahrhundert erhalten haben.

Der 1979/80 ins Museum übertragene Kitting wurde 1765 errichtet – sowohl im Giebelfeld als auch an der Seitenwand ist deutlich sichtbar die entsprechende Jahreszahl angebracht. Er zeigt noch ganz die ursprüngliche Gestalt bis hin zum traditionellen Strohdach. Diese heute nur noch selten erhaltenen Dächer wurden in der Regel so aufgesetzt, dass sie im Brandfall als Ganzes heruntergezogen werden konnten.

Auch wenn man es ihnen nicht auf den ersten Blick ansieht, sind Kittinge eigentlich hölzerne Blockbauten. Allerdings sind die Wände innen wie außen mit Lehm überzogen – oder, um ein anderes Wort zu verwenden, verkittet. Von diesem Lehmkitt leitet sich denn auch der traditionelle Name des Bautyps her. Damit dieser Verputz ordentlich hält, wurden hunderte Holznägel in das Blockwerk eingeschlagen.

Der Lehmputz diente einem ganz praktischen Zweck, nämlich der Isolierung. Er hat aber auch einen kuriosen ästhetischen Effekt, denn er erzeugt weiche, fließende Oberflächen und Linien. So scheint dieser traditionelle landwirtschaftliche Nutzbau fast gewisse Tendenzen der modernen organischen Architektur vorwegzunehmen.

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Innerberger Stadel, Steyr (Oberösterreich)

Kam man über die alte Ennsbrücke und durch das ursprüngliche Neutor nach Steyr, so fand man sich auf einem kleinen Platz, an dessen gegenüberliegender Seite sich ein imposantes Gebäude erhebt. Der Platz ist der Grünmarkt, das Gebäude der sog. Innerberger Stadel. Er wurde 1611–1612 als Speichergebäude errichtet. Die oberen Geschoße dienten als Getreidemagazine, im Erdgeschoß sollte eigentlich ein Salzlager angelegt werden, doch erwiesen sich die ebenerdigen Räume dafür als zu feucht, sodass man hier stattdessen eine Wagenremise unterbrachte.

Der heute gebräuchliche Name verweist auf die Innerberger Hauptgewerkschaft, den Zusammenschluss der Gewerken im steirischen Eisenerz (das damals noch Innerberg hieß). Dabei handelt es sich um eine Vorgängerorganisation der Voest-Alpine, gewissermaßen um den Hauptverband der Metallindustrie in der Frühen Neuzeit. Die Innerberger Hauptgewerkschaft erwarb das Speichergebäude 1628, denn Steyr kam dank seiner Lage traditionell eine bedeutende Rolle in Eisenhandel und -verarbeitung zu, da die Enns einer der Haupttransportwege war, um das in den Alpen abgebaute Eisen zur Donau zu bringen.

Der Innerberger Stadel ist ein Renaissancebau mit prägnanter Doppelgiebelfront. Die Mitte der symmetrischen Fassade nimmt ein auffälliges Rundbogenportal ein, links und rechts davon gibt es zwei kleinere Eingänge. Das quadergerahmte Hauptportal zeigt, wie schon das Neutor, Tendenzen zum Manierismus – da ist eine gewisse Verspieltheit, ein freier Umgang mit den Regeln der klassischen Renaissancearchitektur. So ist nur der obere, gerundete Teil des Portals an den Seiten von Pilastern eingefasst. Die Pilaster reichen aber nicht, wie es sich für eine korrekte Säulenordnung gehören würde, bis zum Boden, sondern ruhen auf den langgezogenen Kämpfersteinen des Torbogens.

Verspielt und verschnörkelt, wenngleich regelkonformer, ist auch die Dekoration der Fassade in Sgraffito-Technik. Eckquader, Tor- und Fensterrahmen sind in weiß vom sonst grauen Putz hervorgehoben. Die um die Fenster gelegten Renaissance-Ornamente scheinen in ihren geschwungenen Linien bereits das Kommen des Barocks anzukündigen.

Zusätzlich zur Sgraffito-Dekoration findet sich direkt über dem Portal ein gemaltes Wandbild, das eine Episode aus der Josephsgeschichte des Alten Testaments zeigt. Joseph, der von seinen Brüdern nach Ägypten verkauft wurde, ist dort zum Berater des Pharaos aufgestiegen. Im Traum hat er sieben fette und sieben magere Jahre vorhergesehen und dem Pharao daher geraten, entsprechende Vorräte anzulegen. Nun, da die mageren Jahre angebrochen sind, kommen Josephs Brüder, die nicht dieselbe Voraussicht hatten, als Bittsteller aus Israel nach Ägypten, um vom Pharao Getreide zu erhalten. – Das ist die Szene, die man im Bild sieht: „Joßevhs Brüder kommen in Egypten Traidt [Getreide] zukauffen“, heißt es in der Inschrift über der Darstellung.

Das Wandbild nimmt also direkt auf die Funktion des Gebäudes als Getreidespeicher Bezug. Es zeigt fast wie ein Geschäftsschild die Nutzung an, gibt der eigentlich recht profanen Zweckbestimmung des Stadels zugleich aber auch einen religiösen Anstrich.

Seit Mitte des 20. Jahrhunderts wird der Innerberger Stadel museal genutzt und enthält verschiedene Sammlungen des Museums der Stadt Steyr. 2021 soll er einer der Ausstellungsorte der Oberösterreichischen Landesausstellung „Adel – Bürger – Arbeiter“ sein. Für diesen Zweck wird er zurzeit einer Generalsanierung unterzogen. Die Fotos im Beitrag zeigen noch den Zustand vor diesen aktuellen Renovierungsarbeiten.

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